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  • Marion Wosowiecki

Kochen oder Barfen?

Das Kochen ist die aufwendigste Methode der Hundeernährung. Hier muss dem Besitzer klar sein, welchen Zeit- und Geldaufwand es bedeutet, wenn er sein Tier mit selbst zubereiteter Nahrung hochwertig und ausgewogen ernähren will. Es muss auf Abwechslung geachtet werden, man kommt aber mit zwei bis drei aus unterschiedlichen Grundstoffen zusammengestellten Rezepten, die abwechselnd angeboten werde, gut aus. So können die Schwankungen in den Nährstoffgehalten der Einzelkomponenten ausgeglichen werden.

Eine selbst gekochte Ration sollte aus 50-

70 % Fleisch und 50 - 30 % Gemüse, Obst und Kohlenhydraten bestehen. Hinzu kommen Öl und Milchprodukte in Form von Joghurt, Hüttenkäse und Quark. Auch Eier sind eine gute Proteinquelle.

Da der Mensch dazu neigt alles stark durch zu kochen sollte man zusätzlich Vitamine zusetzen. Mineralien sind hitzebeständig und bleiben daher unberührt. Wenn man Angst hat Knochen zu füttern ( die auf keinen Fall gekocht sein dürfen!!) kann man z.B. Eierschalenpulver zugeben.

Es empfiehlt sich alles nach Garzeit in einem Topf zuzubereiten um den Hund die wertvollen Nährstoffe zuzuführen. Am besten arbeitet man mit wenig Flüssigkeit und der Sud sollte auf keinen Fall im Abfluss landen, sondern mit in den Napf.


Die Vorteile des Kochens: Absolute Kontrolle über die Inhaltsstoffe, bei allergischen oder kranken Tieren manchmal die einzige Möglichkeit, meist sehr gute Akzeptanz, das gute Gefühl des Besitzers, seinem Tier etwas Gutes zu tun.


Die Nachteile: Die Nährstoffgehalte der Rohstoffe sind meist unbekannt, aufwendige Berechnung des Bedarfs, Erhalt der Vitamine und anderer Nährstoffe bei Zubereitung in der eigenen Küche schwierig oder teuer (Anschaffungskosten z.B. Thermomix), Beachtung der Hygiene, geringere Haltbarkeit.


Das Barfen (biologisch artgerechte Rohfütterung) ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Leider muss ich diesen Trend kritisch betrachten, da es immer häufiger vorkommt, dass mir in der Praxis Hunde mit Fehlernährungen vorgestellt werden. Hierzu trägt das Internet einen großen Anteil. Es wird soviel über Barf geschrieben, Ratschläge erteilt und das oft nur mit einem Halbwissen. Viel bedeutet nicht immer gut und was teilweise alles im Napf des Hundes landet ist unvorstellbar. Deshalb warnen auch viele Tierärzte vor der Frischfütterung und mittlerweile gibt es sogar einen eigenen Bluttest um Mangelerscheinungen aufzudecken. Was in meinen Augen nur pure Geldmacherei ist.


Ich selbst ernähre meine Hunde schon seit über 15 Jahren frisch und roh und habe nie eine Wissenschaft daraus gemacht. Auch nicht nach meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Rationen berechnen und genau analysieren muss man in meinen Augen nur beim kranken Hund. Tierärzte behaupten leider genau das Gegenteil.

Ob man seinen Hund richtig ernährt, kann man ganz leicht feststellen: Ein Hund, dem es an nichts fehlt, hat ein schönes, rassetypisches Haarkleid und darunter gesunde Haut, ist weder zu dick noch zu dünn, ist seinen Alter und Trainingszustand entsprechend leistungsfähig, setzt ein bis zweimal täglich trockenen, festen Kot ab und frisst seine Rationen mit gutem Appetit.


Die Zusammensetzung einer Barf Ration:

70 % rohes Fleisch, bestehend aus Muskelfleisch, Innereien, Knochen

30 % püriertes Gemüse, Salat, Obst

dazu hochwertiges Öl, Joghurt, Quark, Hüttenkäse, Kräuter


Die Vorteile der Rohfütterung: Naturbelassenheit, bessere Futterverwertung, geringer Eigengeruch der Hunde, bessere Zähne, glänzendes Fell, bessere Konstitution, frei von Zusätzen, gute Akzeptanz.


Nachteile: Gefahr von Fehlernährung, Anschaffungskosten (Gefriertruhe), höherer Aufwand, Keimbelastung des Fleisches.


Bitte auch Vorsicht bei Bestellungen aus dem Internet. Auch hier sollte man genau auf die Inhaltsstoffe achten. Gerade bei sogenannten Fertig Barf, hier ist oft der Anteil an Innereien zu hoch und da es auch oft stark gewolft wird, kann man auch hier nicht mehr wirklich die Zutaten erkennen. Dasselbe gilt auch für Fleisch-Mix, auch hier ist der Anteil an minderwertigem Fleisch oft erheblich höher. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man Fleisch in Stücken oder zumindest als Gulasch kauft.


Fazit:

Den Hund frisch zu ernähren, egal ob Kochen oder Barf, ist in meinen Augen, sicherlich nicht falsch. Wer bei sich selbst auf eine gesunde Ernährung achtet ist hier mit Sicherheit besser aufgehoben, als bei industriell hergestellter Nahrung. Hier möchte ich einmal anmerken, dass wir wohl kaum auf die Idee kommen würden unseren Kindern jeden Tag Pellets auf den Teller zu legen, nur weil wir Angst haben sie falsch zu ernähren. Warum macht man sich beim Hund so viele Gedanken und bei sich selbst nicht. Ich glaube kaum jemand kommt auf die Idee, in seiner Ernährung Vitamine zu berechnen. Trotzdem dürfen wir natürlich nichts leichtsinnig werden, der Hund hat meistens nicht die Möglichkeiten, sich das zu holen was er braucht, da wir ihn davon abhalten z.B. draußen irgendwelche Dinge zu fressen. Falls unserem Körper etwas fehlt, merken wir das und essen können dementsprechend essen.

Wer sich unsicher ist, wie er seinen Hund denn jetzt richtig ernähren soll, für den gibt es die Möglichkeit einer Ernährungsberatung durch einen Fachmann. Das kostet nicht die Welt und vielleicht findet man sich danach besser im Ernährungsdschungel zurecht.

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