Suche
  • Marion Wosowiecki

Das Training

Ich freue mich darüber, wenn ich Feedback zu meinen Artikeln bekomme. So erreichte mich letzte Woche eine Mail: "In dem Video hätte ich bei Sekunde 40 geclickt, um das Schauen in den Wald zu bestätigen. Hier gibt es auch ein interessantes Training, es nennt sich JET, ich habe allerdings nichts genaueres darüber gefunden."

Dieses Thema möchte ich gerne aufgreifen und euch meine Arbeit mit Yuki schildern. JET steht für Jagdersatztraining und sagt etwas über die positive Herangehensweise aus. Es ist jetzt nichts Neues, da alle positiv arbeitenden Trainer auf diese Art und Weise arbeiten. Man hat dem Ganzen nur einen Namen gegeben.

Jetzt zu unserem Thema: Warum habe ich bei Sek. 40 nicht geclickt?

Nun, diese Idee hatte ich natürlich auch, nur hat sie bei Yuki nicht zum Erfolg geführt. Und wenn sich Verhalten nicht bessert, sondern sogar eher verschlechtert, muss man seinen Trainingsplan ändern. Das Verhalten hatte sich eher verschlechtert, einfach aus dem Grund, weil Yuki nach dem Click ihre Belohnung bei mir nicht wollte. Sie hat sich selbst belohnt, in dem sie anfing, danach nicht mehr stehen zu bleiben, sondern weiter in den Wald zu laufen. Yuki nimmt in Stresssituationen keine Belohnung mehr an, deshalb musste ich dazu über gehen, sie nach dem Premack-Prinzip zu belohnen. Es besagt, dass man ein weniger beliebtes Verhalten, mit einem beliebteren Verhalten belohnen kann. Es handelt sich um so genannte Umwelt Belohnungen wie Schnüffeln, Krähen hoch machen, Mäuse buddeln. Das funktioniert teilweise auch ganz gut, Beispiel Mäuse buddeln. Der Hund gräbt sich mit Begeisterung zum Nordpol durch und lässt sich durch nicht aus der Welt davon abhalten, ich bekomme ihn nur mit Mühe vom Loch weg. Hier könnte ich als Belohnung dafür, dass er mit mir kooperiert und sich abrufen lässt oder hinsetzt, Die Freigabe zum Buddeln einsetzen und nach einer gewissen Übungszeit wird der Hund sich ohne Mühe abrufen lassen, da ich ihm die Freude nicht verderbe, sondern im Gegenteil sie ihm gestatte.


Anders sieht das jetzt beim Suchen aus. Hier dürfte ich ihn nur in dieser Situation Suchen bzw. Schnüffeln lassen, müsste ihn praktisch während des gesamten Gassiganges kurz halten, da es keine Belohnung mehr wäre, wenn er dieses Bedürfnis ständig stillen kann. Also nicht wirklich eine Option für uns, da es auch, in meinen Augen, nicht sinnvoll ist, zusammen mit einem jagdlich motivierten Wald immer weiter in den Wald zu laufen. Undenkbar, Yuki hätte sich jedes Mal so in ihr Verhalten gesteigert, dass nichts mehr möglich gewesen wäre.


Nun, ich bin dazu über gegangen, die Umorientierung zu belohnen. Ich habe so lange gewartet, bis sie sich von alleine umgedreht hat und die Belohnung war dann das weiter laufen. Das hat anfangs natürlich sehr lange gedauert, teilweise über 15 Min., mittlerweile geht das aber ganz gut. Sie ist natürlich durch die Leine gesichert. Ich achte aber darauf, dass keine Spannung auf die Leine kommt, um eine Verknüpfung zu vermeiden. Falls Yuki doch einmal weiter in einen Abgang läuft, haben wir ein Stop-Signal etabliert, was ihr sagt: Weiter geht es nicht. Hier musste ich sie anfangs mittels Geschirrgriff abreifen, also heraus holen. Dieser Geschirrgriff wird auch positiv aufgebaut, damit ich keinen Druck auf den Hund ausüben muss. Ich muss ihn nur noch selten anwenden.


Meine dritte Übung ist das Sitzen, falls Yuki sich, ich nenne es, fest schaut ist dies mittlerweile ein

Kommando, dass sie gut ausführen kann und auch das Einzige, bei dem sie ein Leckerchen nimmt. Manchmal muss ich es noch mehrmals wieder holen, wobei darauf zu achten ist, dass mehrere Sekunden (20-30) zwischen den einzelnen Wiederholungen liegen, um keine Fehlverknüpfung zu bekommen. Dann müsste ich das Kommando immer z.B. 4 mal sagen bis der Hund sich setzt. Hier verlange ich noch ein paarmal den Blickkontakt, den sie auf Kommando beherrscht, bevor es weiter geht. Und so bekomme ich den Hund wieder etwas runter und verhindere, dass sie sich in die Situation hinein steigert.


Ihr seht, dass ist alles gar nicht so einfach. Parallel hierzu übe ich nochmals den Pfiff sehr intensiv. Und auch hier habe ich meine Strategie geändert. Eigentlich sagt man, es ist besser den Pfiff nicht zu verbrauchen, also nicht zu oft zu üben, damit er wertvoll bleibt und nicht langweilig wird. Das war aber bei Yuki auch nicht die Option. Ich konnte ihn auch nach langer Zeit nicht in schwierigeren Situationen abrufen. Deshalb bin ich jetzt dazu übergegangen viel "Masse" aufzubauen, also genau das Gegenteil zu machen, nämlich möglichst oft zu pfeifen. Voraussetzung hierfür ist aber ständig mit der Belohnung zu variieren. Ich bin hier nicht mehr berechenbar für Yuki. Ich habe jeden Tag 5 verschiedene Belohnungen dabei und wende sie situationsbedingt an. So lerne ich natürlich auch ihre Vorlieben besser kennen. Und so kann ich sie schon nach 4 Wochen in mehr Situationen abrufen als vorher. Also wir sind gerade auf einen guten Weg, auch wenn sie mir letzte Woche wieder einmal entwischt ist, da ich unkonzentriert war und die Rehe zu spät gesehen habe, die über den Acker liefen.


Ich würde mich über weitere Kommentare sehr freue und gehe auch gerne darauf ein. Als Trainer ist man manchmal "betriebsblind" wie man so schön sagt. Es ist einfach etwas anderes, wenn man den Hund selbst an der Leine ist, als wenn man die Situation aus der Ferne beobachten kann.

0 Ansichten

0931/78012552

©2019 Tierheilpraxis Würzburg-Oberdürrbach