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  • Marion Wosowiecki

Ein Hütehund, der jagt doch nicht! Teil 2

In dieser Situation war es zuerst wichtig, zu analysieren, wie das Jagdverhalten von Yuki genau ausschaut.

Es gibt Hunde, die jagen olfaktorisch, das heißt, über die Nase. Also sie gehen Suchen, nehmen Spuren auf. Die andere Gruppe jagt visuell, also über die Augen, das heißt, wenn der Hund einen Hasen, Rehe, Vögel, ect. sieht. Dann gibt es noch eine dritte Gruppe, die jagt auditiv, also über das Gehör, das heißt, wenn der Hund im Gebüsch etwas rascheln hört oder Zweige knacken.


Leider habe ich das Pech, dass bei Yuki alle 3 Sinnesorgane anspringen. Auch ist es bei vielen Hunden so, dass das Jagdverhalten in bestimmten Gebieten ausgeprägter ist. Bei Hunden, die sichtig jagen, sind eher die Felder das Problem, bei Hunden, die über Ohren und Geruch jagen, eher der Wald. Nun auch hier zeigt sich das Verhalten bei Yuki leider überall, also es gibt kein Gebiet, wo sie einfach mal rennen kann. Dann gibt es noch das Phänomen des Pseudojagdverhaltens, das bedeutet, der Hund geht, wegen einer Stresssituation heraus jagen, also der Hund hat z.B. vor irgendetwas Angst und um den Stress abzubauen, geht er jagen. Hier muss man das Leben des Hundes analysieren. Das war mir auch bei Yuki evtl. nicht ganz abwegig, da Naomi und sie nicht gerade die dicksten Freundinnen sind. Aber mittlerweile kann ich das ausschließen.


Nun, was kann man jetzt tun? Ich wusste, in welchen Situationen mein Hund Jagdverhalten zeigt, Grundkommandos trainieren ist natürlich das Erste. Der Rückruf klappte eigentlich auch ganz gut, ich konnte sie zu 90% aus allen Situationen rauspfeifen, nur nicht, wenn ihr Hirn im Jagdmodus war. Also es blieb erst Mal nichts anderes übrig, als eine 10 Meter Schleppleine zu nehmen und zwar in die Hand. Das ist aber nicht ganz ungefährlich, durch den Ruck, wenn der Hund da rein breddert, kann man sich ganz schöne Verletzungen zu ziehen. Zerrungen in der Schulter, Prellungen von den Stürzen, wenn man von den Füßen geholt wird. Da bleibt man als Hundehalter auch nicht immer ruhig, hier war ich auch oft nur ein normaler Mensch, der den Hund angebrüllt hat, auch wenn ich wusste, dass es nichts bringt. Aber ganz ehrlich, Yuki stört es nicht sonderlich. Nun 1 Jahr habe ich durchgehalten und es lief auch ganz gut, wir haben Orientierungstraining, konditionierte Entspannung, Blickkontaktübungen, den Rückruf natürlich weiter geübt. Yuki durfte in den Wald hinein schauen, aber nicht weiter die Wildabgänge verfolgen. Ein paarmal ist sie auch ausgebüchst, weil ich die Leine nicht halten konnte. Hier hat sich das GPS bewährt, weil sie sich dann mit der Leine verfangen hat und teilweise in so unwegsamen Gebiet, dass ich sie auf allen Vieren kriechend befreien musste. Und Yuki wartet einfach in einer Seelenruhe ab, bis jemand kommt.

Nach einem Jahr habe in den Test gemacht und sie teilweise ohne Leine laufen lassen. Es fing auch ganz gut an, bis sie immer weiter und immer öfter in die Felder gelaufen ist. Ich konnte sie aber noch gut abrufen, habe mich mega gefreut und bin vielleicht ein bisschen leichtsinnig geworden. Ja, und ihr ahnt es wahrscheinlich schon, nach ca 3 Wochen hat es sie wieder gepackt und sie war weg. Das waren die 1 1/2 Stunden, von denen ich schon geschrieben habe. Wir haben sie zu weit verfolgt, ich zu Fuß, mein Mann mit dem Auto. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie 2 km zurück gelegt und war nur noch 70 m von der Bundesstraße entfernt. Sie lief ständig hin und her, da keine Leine dran war, blieb sie auch nicht hängen. Irgendwann war sie wohl müde und wir konnten sie finden. Von Freude ist da aber von ihrer Seite aus keine Spur. Sie benimmt sich, als wäre es das normalste der Welt.

Ich war soweit zu sagen, der Hund kann niemals von der Leine. Aber irgendwie musste ich für körperliche Auslastung sorgen. Die Geistige war nicht das Problem, hier machen wir schon viel mit Tricktraining, Treibball und Co. Also habe ich mich in der Rettungshundestaffel zum Mantrailing angemeldet und wollte mit ihr Fahrrad fahren (was auch meinem kaputten Knie gut tun würde). Ich ging mit Elan an die Sache ran, kaufte ein Gestell fürs Fahrrad und fing an zu Üben. Das ging auch ganz einfach, Yuki lief von Anfang an super am Fahrrad und hatte auch sichtlich Spaß. Also ging es schon bald nach draußen, aber schon beim zweiten Ausflug, saß eine Katze im Gebüsch, ich sah sie nicht, Yuki roch sie wohl und holte mich mit einem Satz vom Rad. Die Folge, Fraktur des Radiusköpfchen im re. Arm. Ich schreibe hier nicht, welche Nahmen Yuki alle bekommen hat. Es war mein eigener Leichtsinn, ich hätte es wissen müssen. Sie kann einfach eine so unglaubliche Kraft entwickeln, dass selbst mein Mann Mühe hat sie zu halten.


Nun, Yuki ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate alt und ich gebe nicht auf. Ich habe nochmals das Training verändert und trainiere den Rückpfiff unter anderem sehr intensiv. Ein halbes Jahr werde ich mir hierfür Zeit nehmen, bis im Sommer die Brut- und Setzzeit vorbei ist und dann sehen wir weiter. Ich werde berichten.

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